Du willst also Informatik studieren?

Zwei Dinge, die zusammengehören, aber nicht immer zusammen fallen, sind Informatik und Programmieren. Ich habe Informatik studiert an der Universität Oldenburg, mit dem Gedanken, dass man innerhalb des Studiums auch Programmieren lernt. Nun, selbstverständlich kann man es dort lernen, aber im Nachhinein möchte ich doch behaupten, dass man bereits programmieren können sollte, wenn man ein Studium der Informatik anstebt. Wenn man bereits programmieren kann, sind die Themen durchaus interessant und man hat die Möglichkeit, wissenschaftliche und ingenieursmäßiges Vorgehen zu erlernen, Projektmanagement aktiv zu betreiben und technische Grundlagen kennen zu lernen. Mir wurde vor kurzem gesagt, man werde als Informatiker auf Entscheiderpositionen vorbereitet, was ich bestätigen kann. Man lernt irgendwo alles kennen, muss sich aber seine Interessen selbst beibringen, weil es eben nur ein paar Vorlesungen zu jedem Bereich gibt. Praktische Erfahrung bekommt man allerdings nur in geringem Maße vermittelt.

In Sachen programmieren bekommt man z. B. einen Programmierkurs in Java, macht dann ein Softwareprojekt, in dem diejenigen, die bereits programmieren können den Ton angeben und man eigentlich nicht wirklich den Durchblick hat, wenn man noch kein Programmier-Ass ist. Dann folgen Projektgruppe (gleiches Problem) und Individuelles Projekt (heute: Bachelorarbeit) – das individuelle Projekt ist dann der Zeitpunkt, an dem man spätestens programmieren können muss – es sei denn man wählt sich ein theoretisches Thema, dann ist die Abschlussarbeit (Master) der Zeitpunkt, an dem man spätestens die praktische Erfahrung braucht (Empfehlung: mach ein schwieriges IP). Alle anderen Module betrachten Theorie, Methodik, einzelne Problemfelder – aber nirgends sammelt man praktische Erfahrung. Die Lösung?

  • Sich reinhängen! Man sollte einfach jedes Problem angehen, sich im Softwareprojekt und der Projektgruppe ein schwieriges Problemfeld aussuchen (und sich nicht auf die Dokumentation zurückziehen), seine bereits programmierenden Mitstudenten ausfragen und sich selbst zu Hause noch ein komplexes Projekt aussuchen, an dem man lernen kann.
  • Vorher programmieren können und schon vor dem Studium viele Technologien beherrschen. Heutzutage bedeutet das: privat im Internet lernen und den Informatik-Kurs an der Schule besuchen. Irgendeine Programmiersprache sollte man schon mal programmiert haben (ich kannte nur BASIC und TurboPascal, es gibt da hilfreicheres), HTML und XML sollte man vielleicht schon verstanden haben. Eine weitere Anforderung wäre, dass man generell mit abstrakte Gedanken umgehen können sollte, denn wenig, was man in einem solchen Studium lernt, ist nicht abstrakt.
  • Nicht Informatik studieren, sondern artverwandte Sachen machen, wäre auch eine Lösung. Über 50% bestehen nicht einmal das Grundstudium (bzw. Bachelor) und geschätzte 80% schliessen das Studium nie ab. Ein Fachhochschul-Studium ist zum Beispiel ein fast ausschliesslich an praktischer Arbeit interessiertes Studium, in der man das lernt, was man später auch in einem praktischen Beruf gebrauchen kann, in dem die wissenschaftliche Arbeit mehr oder weniger überflüssig ist. Wenn man sich das nicht zutraut, kann man ja auch eine entsprechende Ausbildung im IT-Bereich machen, in der man dann wahrscheinlich mehr mit Bürokratie, Netzwerktechnik und Computerschrauben an echter Hardware zu tun hat. Noch dazu ist das Studieren heutzutage viel teurer geworden, ca. 750€ pro Semester kann man rechnen, und somit ist ein Nebenjob quasi Voraussetzung. Dringende Empfehung hier: einen Nebenjob machen, in dem man ein bisschen praktische Erfahrung sammeln kann!

    Eine weitere Hürde gibt es im Informatik-Studium: Mathe! Ein großer Teil der Oldenburger Informatik-Studenten scheitern an Mathematik in den ersten drei Semestern und verwandten Fächern … da hilft nur Büffeln, bis der Arzt kommt … oder die mathematischen Grundlagen einfach schon in der Schule gut verstanden zu haben.

    Wenn man sich denn für ein Studium entschieden hat, empfehle ich dringend, beim Linux-Kurs gut aufzupassen und sich dringend die grundlegenen Technologien zur praktischen Arbeit auf seinem Heimarbeitsplatz zu installieren, und damit einfach herumzuexperimentieren. Das sind beispielsweise Eclipse, LaTeX und ein Webserver + Datenbank. Geizt nicht an Büchern! “Wissenschaftlich mit LaTeX arbeiten” oder grundlegende, gutgeschriebene Bücher zum Programmieren an sich sind Gold wert – es sei denn man nimmt das Studium eh nicht so ernst, und dann sollte man es gleich lassen oder eine Ausbildung anstreben. Manchmal werden kostenlose Kurse zum wissentschaftlichen Schreiben angeboten, auch sowas sollte man dringend besuchen.

    Dieser Artikel zum Thema Wie werde ich ein Java-Entwickler ist meiner Ansicht auch sehr lesenswert, wenn es um Technologie, Programmieren und Software-Engineering geht. Danke für die Aufmerksamkeit!

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    , Posted Tuesday, January 13th, 2009 under Tipps.

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