Der Botanische Garten Oldenburg

Im Rahmen des botanischen Grundpraktikums an der Universität Oldenburg machte der Kurs am 07.06.2008 eine kleine Exkursion durch den botanischen Garten Oldenburg. Wir mussten hierbei ein kleines handschriftliches Protokoll abliefern, was sich mit einem bestimmten Teil des Gartens auseinandersetzt, aber da ich gar nicht mehr ohne Tastatur schreiben kann mache ich lieber einen kleinen Bereicht für meine Internetseite fertig und schreibe ihn danach handschriftlich ab, wenn das notwenidig sein sollte.

Zuerst gebe ich eine kleine Einleitung, dann noch einen kurzen geschichtlichen Abriss zum botanischen Garten Oldenburg und komme dann zu einer Kurzbeschreibung der einzelnen Gebiete. Als eigentliches Thema meines Protokolls soll der Arzneimittelgarten etwas näher erläutert werden. Alle Informationen stammen von Kerstin Wilhelm, unserer Praktikumsleitung.

Einleitung

Weltweit gibt es etwa 300.000 verschiedene Arten von Blütenpflanzen. Etwa 30% dieser Arten sind in Botanischen Gärten vorhanden. Dort sind Pflanzen gegen die Möglichkeit des Aussterbens und vor unkontrollierter Hybridisierung geschützt. Die größten botanischen Gärten weltweit sind der Missouri Botanical Garden in der USA, die Royal Botanical Gardens in London und der Botanische Garten Berlin.

Botanische Gärten führen Samenkataloge über ihre Bestände und helfen sich gegenseitig und auch Forschern aus, indem diese sich über die Samenkatalog benötigte Samen bestellen können. Die Botanischen Gärten stehen ebenfalls in Verbindung zu den großen Gendatenbanken.

Auch die Lehrer- und Studentenausbildung wird mit Hilfe der Gärten gefördert. Die Botanischen Gärten dienen neben ihrer Eigenschft als Forschungs- und Lehreinrichtungen allerdings auch zur Entspannung und Information der Bürger, die die Gärten relativ uneingeschränkt begehen können.

Geschichtlicher Abriss

Der Botanische Garten Oldenburg wurde 1882 als Lehrseminar für Lehrer gegründet, damit diese sich in heimischer Flora und Fauna weiterbilden konnten.

1916 wurde eine systematische Anlage gegründet mit ca. 1200 Arten. Das ist etwa die Anzahl der Arten, die auch in Nordwestdeutschland vorliegen. In Mitteleuropa und den Alpen gibt es ca. 3000 Arten.

In den 30er Jahren wurde der Garten vom Land Oldenburg übernommen.

In den 50er Jahren ist der Garten auf seine heutige Größe von 3,71ha vergrößert worden.

Als 1976 die Uni gegründet wurde, ging der Garten an die Uni-Oldenburg über. 1985 entstand der Standort Wechloy der Universität Oldenburg mit einem Biologie-Fachbereich. Die Verantwortlichkeit für den Garten wurde daraufhin an die Uni-Wechloy übergeben. Ein zweiter Garten mit etwa 1,5ha wurde im Küpkersweg angelegt und wird verwendet für die Anzucht von Pflanzen. Diese Pflanzen werden zum Teil in den Botanischen Garten überführt oder zum Beispiel für Ausbildungszwecke benutzt.

1999 wurde das Sukkulentenhaus gebaut und 2006 wurde das Tropenhaus eröffnet.

2007 feierte der botanische Garten seinen 125. Geburtstag. Der Garten erhielt seltene Geschenke, die heute dort auch ausgestellt werden. Zum einen handelt es sich hierbei um einen versteinerten Baum, dessen Alter auf ca. 15-20 Millionen Jahre geschätzt wird. Dieser wurde im Braunkohleabbau gefunden worden und ist nicht komplett versteinert, weshalb er auch irgendwann verwittern wird. Das andere Geschenk ist ein Exemplar von Bolemi Nobilis, ein kleiner Baum, von dem man geglaubt hat, dass er bereits seit ca. 65 Millionen Jahren ausgestorben ist. In den 90er Jahren wurde er im Australischen Nationalpark wieder entdeckt. Die Nachzüchtung gelang, daher kann man den Baum inzwischen wieder kaufen.

freilaufender Pfau im Botanischen Garten OldenburgAktuell (Stand Juni 2008) in Plaung / Bau ist die sogenannte Grüne Schule. Diese soll für Lehrer und Schüler eine praktische Lehreinrichtung sein, mit der praktische Erfahrungen gesammelt werden können.

Es gibt auch einige Tiergehege. Dies sind vorwiegend Vögel, aber auch Schildkröten und Fische können beobachtet werden. Attraktion sind die beiden freilaufenden Pfaue, ein Männchen und ein Weibchen.

Der Botanische Garten enthält heute etwa 4000 Arten und ist eingeteilt in geographische Themengebiete. Diese werden im Folgenden kurz beschrieben.

Themengebiete

Im folgenden wird eine kurze Übersicht über die Themengebiete des Botanischen Garten Oldenburg präsentiert. Hierbei wird nur auf während des Praktikums gewonnener Informationen zurück gegriffen, die von Kerstin Wilhelm vermittelt wurden. Über die Regionen Neuseeland und die Nordischen Regionen wurde aus zeitgründen gar nicht gesprochen.

Mittelmeer und Kaukasus: Im Mittelmeer- und Kauskasusgebiet herrschen hohe Temperaturen und kein Frost im Winter, daher müssen empfindliche Pflanzen in Töpfen eingepflanzt werden und zum Überwintern mit ihren Töpfen in gewärmte Innenräume gebracht werden. Zum Schutz gegen Hitze entwickeln Pflanzen aus diesen Gebieten beispielsweise eine dichte Behaarung zur Reflexion eines Teils des Lichtes (z. B. beim Lavendel). Auch eine dicke Cuticula, um die Verdunstung gering zu halten, ist eine bevorzugte Stategie von Mittelmeerpflanzen. Beispiele für Pflanzen aus diesem Gebiet sind Lavendel, Oleander, Orangen- und Zitronenbäume.

Bauerngärten und Schlossgärten: Dies sind die ursprünge der botanischen Gärten. Klassische Schlossgärten sind zur Freude seiner Besucher mit Zierpflanzen, Springbrunnen und Bugsbaum-Hecken oft archetektonisch anspruchsvoll angelegt worden. In Bauerngärten wurden neben Zier- auch Nutzpflanzen angelegt, um diesen auch die Möglichkeit zur Blütereife zu geben.

Wald: Ein Wald ist per Definition eine Ansammlung von Bäumen, die mindestens ein Viertel der Fläche mit ihren Kronen bedecken. Wäre die Landschaft Mitteleuropas nicht durch den Menschen beeinflusst worden, würde jetzt der größte Teil der Fläche von Laubmischwald bedeckt sein. Im Botanischen Garten Oldenburg wurde versucht, einen Laubmischwald anzulegen. Planzengesellschaften sollen hier möglichst natürlich wachsen können. Von Menschen angelegte Wälder werden als Forste bezeichnet. Stechpalmen, Clematis, Hopfen, Efheu sind typische Pflanzen des Waldes, das Buschwindröschen ist ein Beispiel für eine typische Pflanze aus der Krautschicht.

Dünen: Die Anlagen von Dünen in botanischen Gärten ist sehr schwierig. Dünen sind organisiert in Primärdüne, Weißdüne und Graudüne. Typische Pflanze ist der Blauhelm, dessen bläuliche Färbung zum Schutz vor starker Sonneneinstrahlung wirkt und dessen Blattes sich bei starkem Wind einrollen kann, womit die Spaltöffnung windgeschützt ist und die Pflanze damit vor Austrocknung geschützt ist.

Heide: Heide ist eine Kulturlandschaft, mit einem besonders armen und sauren Boden. Wacholder und Ginster. Heidschnucken oder andere Schafe fressen diese nicht auf, weil sie zu pieksig sind. Heidelandschaften können nur durch diese Tiere erhalten werden, weshalb durch den Rückgang der Schäfer die Heidelandschaften gefährdet sind. Die ursprünglich angestrebte Renaturierung wurde aufgehalten, da Heidelandschaften als Kulturlandschaften geschützt werden sollten.

Hochmoor: Das Hochmoor entsteht durch Topfmoos. Dieses ist ein Moos was sehr viel Wasserspeichern kann. Am unteren Teil des Moores stirbt diese ab und lagert sich ab, durch die Verrottung dieser Pfanzenteile entsteht dabei Moor und dieses wächst um ca. einen Millimeter pro Jahr. Auf den Hügeln wächst beispielsweise Heide.

Niedermoor: Das Niedermoor bleibt flach und wird durch Grundwasser gespeist. Niedermoore entstehen durch verlandete Seen. Im Niedermoor wächst zum Beispiel Sonnentau, eine Fleischfresssende Pflanze, die mit klebrigen Exkreten Insekten fangen und verdauen kann.

Nord- und Südamerika: Ein Beispiel für eine beiindruckende Pflanze aus Südamerika ist die Gunnera aus Brasilien an Stengelbasen geht diese eine Symbiose mit Cyanobakterien ein.

Die Flora NordwestdeutschlandsNordwestdeutschland: “Das System” ist das Eigentliche Zentrum des botanischen Gartens Oldenburg und enthält die Flora Nordwestdeutschlands. Dieser Bereich enthielt ursprünglich 1200 Arten. 600-700 Arten sind hierbei heute noch systematisch geordnet von den Monoculturen bis zu den Dicultüren Pflanzen.

Asien: Phododendren und Azaleen kommen ursprünglich aus dem Asiatischen Raum.

Alpine Gebiete: Alpenflora wird nach Gesteinen eingeordnet, wie z. B. Silikate oder Kalkstein. Gestein wird nachgestellt, aber Höhe nicht. Daher wachsen die Pflanzen hier auch besser, da der Standort in Oldenburg besser ist als unter den strengen Bedingungen in den Alpen. Beispiel Teucrium montanum hat Polsterwuchs, die Pflanze ist klein und wächst dichtgedrängt, um sich von Schnee und Kälte zu schützen. Oft gibt es auch wieder eine dichte Behaarung der Pflanzen zum Schutz vor Sonnenstrahlen.

Tropenhaus: Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, daher haben sich Pflanzen entwickelt, die das Wasser direkt aus der Luft aufnehmen. Auch ist es meist recht dunkel aufgrund des dichten Blätterdaches, welhalb sich Epiphyten entwickelt haben, die auf der Krone anderer Pflanzen wachsen. Auch Reis, Orchideen, Fleischfressende Pflanzen kann man hier betrachten.

Sukkulentenhaus: Im Sukkulentenhaus werden Gebiete wie die Kanaren oder Madagascar nachgestellt. Pflanzen in diesen heißen und trockenen Gebieten bilden Blätter zu Dornen zurück oder haben nur kleine Blätter, wobei der Stamm verdickt wird um mehr Wasser speichern zu können. Die Photosynthese wird in diesem Fall auch über den Stamm vollzogen. Die Cuticula ist verdickt, um die Verdunstung gering zu halten. In Amerika existiert die Familie der Kaktaceae (Kakteen), während in Afrika die Familie der Euphoriaceaen (Wolfsmilchgewächse) vorherrscht.

Tiergehege: Die Tiere in den Tiergehege sind in Gefangenschaft gezüchtet und aufgewachsen. Im Botanischen Garten Oldenburg gibt es hauptsächlich Vögel, aber auch Schildkröten und Fische. Zwei Pfaue, ein Männchen und ein Weibchen, sind eine kleine Attraktion im Botanischen Garten Oldenburg, in dem sie frei herumlaufen.

Der Arzneimittelgarten

Baum des LebensArzneimittelgärten entstanden im Mittelalter und wurden von Mönchen in Klostern angelegt. Schon damals wurden medizinische Wirkstoffe aus Pflanzen gewonnen, die zu diesem Zweck gezüchtet wurden.

Der Arzneimittelgarten ist ein Bereich im Botanischen Garten Oldenburg, der so angelegt ist, dass er von oben gesehen aussieht wie eine Blüte. Im Zentrum steht ein Kunstwerk, genannt “Der Baum der Erkenntnis”. Jedes der umliegenden “Blütenblätter” enthält Pflanzen einer Wirkstoffgruppe. Jede Pflanze, die sich in diesem Teil des Gartens befindet sind mit ihrem Namen und ihrem Wirkstoff ausgezeichnet. Außerdem findet man auf der Beschreibung die übliche pharmazeutische Anwendung der entsprechenden Pflanze. Die Pflanzen sind hierbei aus unterschiedlichen Regionen der Erde gewählt, so dass die Ordnung des Arzneimittelgartens sich nicht an die Sortierung nach Regionen orientiert, wie es in den anderen Bereichen des Botanischen Garten Oldenburg der Fall ist.

Im folgenden sind die medizinischen Gruppen aufgeführt und einige Beispiele von zu der Gruppe zugehörigen Arten gegeben, die man im Arzneimittelgarten vorfinden kann. Die Dargestellten Informationen zu jeder Art sind: Artname – allgemeiner Name – Familie – Anwendung als Arzneimittel – Herkunft. Um zusätzliche Informationen über die einzelnen Gruppen zu sehen, klicken Sie bitte auf den Namen der jeweiligen Gruppe.

Bitter- und Scharfstoffe

Katzenpfötchen

Antennaria dioica – Gemeines Katzenpfötchen – Asteraceae – Anwendung bei Husten, Bronchitis, Magenkatarrh und Gallenleiden – Herkunft: Europa, Asien

Benediktenkraut

Cnicus benedictus – Benediktenkraut – Asteraceae – Anwendung als Bittertonikum – Herkunft: Mediterrangebiet, Vorder- und Mittelasien

Glykoside

Preiselbeere

Vaccinium vitis-idaea – Preiselbeere – Erlaceae – Anwendung bei Blasenleiden, Gicht, Rheuma und Durchfall – Herkunft: Nord-, Mittel- und Westeuropa, Balkan, Nordasien und Nordamerika.

Adonisröschen

Adonis vernalis – Adonisröschen – Ranunculaceae – Anwendung bei Herz- und Kreislaufkrankheiten – Herkunft aus Ost-, Mittel und Südeuropa, Kaukasus und West-Sibirien

Ätherische Öle

Sandstrohblume

Helichrysum arenarium – Sandstrohblume – Asteraceae – Anwendung bei Gallenleiden, Gelbsucht, Gicht, Rheuma, Nierenleiden – Herkunft: Europa, Vorder- und Mittelasien

Kapuzinerkresse

Tropaeolum majus – Kapuzinerkresse – Tropaeolaceae – Anwendung bei Infektionen, wirkt antibiotisch – Herkunft Kolumbien bis Peru

Alkaloide

Schlafmohn

Papaver somniferum – Schlafmohn – Papaveraceae – Anwendung bei Schmerzzuständen – Herkunft: nur als Kulturpflanze bekannt

Buchsbaum

Buxus sempervirens – Buchsbaum – Buxaceae – Anwendung bei Fieber und in der Homöopathie – Herkunft: West- und Mitteleuropa, Mittelmeer, Nordafrika und Westasien

Organische Säuren und Säurenderivate

Kuhschelle

Pulsatilla vulgaris – Echte Kuhschelle – Ranunculaceae – Anwendung bei Nieren- und Nervenleiden sowie als Beruhigungsmittel – Herkunft: nördliches Westeuropa, östlich bis in die Ukraine

Saponine

Feldmannstreu

Eryngium campestre – Feld-Mannstreu – Apiceae – Anwendung bei Haut- und Steinleiden und als “Blutreinigungsmittel” – Herkunft aus Mittel- und Südeuropa sowie Vorderasien

Gerbstoffe

Frauenmantel

Biogene Amine

echtes Lungenkraut

Pulmonaria officinalis – Echtes Lungenkraut – Anwendung bei Lungen und Blasenleiden, Katarrhen und Durchfall – Herkunft: Mittel- und Südosteuropa

Fette Öle und feste Fette

(kein Bild) Guajacum officinale – Guajakbaum – Zygophyllaceae – Anwendung bei Arthritis, Rheuma und Gicht – Herkunft: Süd- und Mittelamerika

Schleimstoffe

Bockhornklee

Trigonella foenum-graecum – Bockhornklee – Fabaceae – Anwendung bei Furunkeln sowie als Stärkungs- und Schleimmittel – Herkunft: aus Südwestasien

hanfblättriger Eibisch

Althaea cannabina – Hanfblättriger Eibisch – Malvaceae – Anwendung bei Magen- und Darmbeschwerden und im Homöopathischen Bereich – Herkunft: aus Südwuropa und Vorderasien

Flavonoide

Kornblume

Centaurea cyanus – Kornblume – Asteraceae – Anwendung bei Augenkrankheiten, als Bittertonikum und in Teemischungen – Herkunft: Mittelmeergebiet

(kein Bild) Cimicifuga racemosa – Trauben-Silberkerze – Ranunculaceae – Anwendung bei Menstruationsbeschwerden und Arthritis – Herkunft: Nordamerika

Harze, Kieselsäure sowie Zucker und Stärke sind drei weitere Gruppen des Arzneimittelgartens. Aus Zeitgründen wird nicht weiter darauf eingegangen.

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3,684 Views, Posted Sunday, June 22nd, 2008 under Privat.

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